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Wenn alt und jung ein Zeichen setzen

Mitte Dezember fand am HANSE-Berufskolleg ein besonderer Projekttag statt, der sich ganz dem gesellschaftlichen Problem des Rassismus widmete. An der als „Schule ohne Rassismus“ zertifizierten Bildungseinrichtung kooperierten im Rahmen ihres diesjährigen Arrangements zahlreiche Partnerinnen und Partner miteinander, um die Schülerinnen und Schülern gegen alte wie neue Formen des gesellschaftlichen Rassismus zu sensibilisieren.

Dass das HANSE-Berufskolleg seine gesellschaftlichen Verpflichtungen in allen Facetten wahrzunehmen weiß, neben der kaufmännischen Exzellenzbildung auch die emanzipatorische Entwicklung eines individuellen Demokratie- und Werteverständnisses zu unterstützen, ist ganz offenkundig, wenn man das diesjährige Kooperationsteam „Schule ohne Rassismus“ betrachtet. Was als Projektidee von der Schülervertretung und der Schulpfarrerin, Silvia Pfeiffer-Kuebart, begann, wuchs mit der Unterstützung von Frau Grewe vom Verein „Omas gegen rechts“ und Dr. Frank-Oliver Klute vom Kommunalen Integrationszentrum des Kreises Lippe schnell zu einem ganzheitlichen Thementag. 

In stundenlanger, akribischer Vorarbeit erstellten die Schülerinnen und Schüler der 13. Jahrgangsstufe des Wirtschaftsgymnasiums im Rahmen der Religionskurse von Silvia Pfeiffer-Kuebart Präsentationen und Material, in denen sie ihr Wissen über alte wie auch moderne Formen des gesellschaftlichen Rassismus aufarbeiteten. Die von ihnen so aufgezeigten Parallelen zwischen den Rassismusformen während der nationalsozialistischen Diktatur und den erschreckend modernen Ausprägungen, erhielten durch ein Zeitzeugeninterview mit Frau Grewe, die sich seit einigen Jahren im Verein „Omas gegen rechts“ engagiert, besonderes Bedeutungsgewicht.

Die Schulleiterin Susanne Tietje-Groß lobt die Schülerinnen und Schüler der 13. Jahrgangsstufe: „Sie haben mit diesem Video die Authentizität und Eindrücklichkeit einer echten Zeitzeugin genutzt, die den Schüler*innen im Gedächtnis bleibt.“ Als Geschichtslehrer, der kurz nach der Wende geboren wurde, wertschätzt Christian Hellwig, SV-Lehrer am HANSE-Berufskolleg die Arbeitsweise der gymnasialen Projektgruppe: „Die Schülerinnen und Schüler haben mit dem Video eine hervorragende methodische Entscheidung getroffen. Man kann sich pädagogisch noch so auf den Kopf stellen und fachliche Inhalte wie auch wissenschaftliche Arbeitsweisen vermitteln, aber dieses Video zeigt, wie wichtig es ist, sich für unsere Erinnerungskultur und Demokratie aktiv zu engagieren. Die Schülerinnen und Schüler haben eine tolle Leistung erbracht, die sich auch eindrücklich mit unserem Geschichts- und Demokratiebild auseinandersetzt – gerade das in dieser turbulenten Zeit von großer Bedeutung.“

In der Tat ließ das ermutigende wie auch warnende Video von Frau Grewe letzte wenige Privatgespräche zwischen den zuhörenden Schülerinnen und Schülern rasch verstummen. Es sind Aussagen wie „Es ist eure Welt. Ich mache mit meinen 84 Jahren vor euch die Augen zu. Nutzt eure Zeit.“ und „Als wir aus den Bunkern kamen, haben die alten Leute gesagt: ‚Nie wieder Krieg‘. Ich kann es uns nur allen wünschen: ‚Nie wieder Krieg!‘“, mit denen die Zeitzeugin eindrücklich aufzeigt, wohin Hass und Gewalt in unserer Gesellschaft und unserer Welt führen können. Sie habe es einmal erlebt und bekäme es seit einigen Jahren erneut mit der Angst zu tun, wenn sie sieht, wohin sich unsere Welt heute entwickele. 

Nachdem die Zuhörerinnen und Zuhörer durch das Zeitzeugeninterview wie auch der sich anschließenden Präsentation über Ausprägungen, Charakteristika und Konsequenzen vermeintlich alter wie auch moderner Formen des Rassismus informiert wurden, präsentierten die Gymnasiastinnen und Gymnasiasten in einer sich anschließenden Gedenkminute die Namen und Alter von Opfern des modernen Rassismus von 1990 bis heute. 

In einem sich anschließenden, digital unterstützten Nachgespräch boten Judith Walker und Max Goldstein, in der Schülervertretung engagierte Lehrkräfte, die Gelegenheit, über die Präsentationsinhalte zu sprechen, bevor die Schülerinnen und Schüler wie auch die begleitenden Lehrkräfte mit ihrer Unterschrift ihren Willen kundtaten, sich am HANSE-Berufskolleg wie auch in ihrem Alltag aktiv gegen Rassismus einzusetzen. 

Dass von diesem Projekttag jedoch auch die Teilzeitklassen am HANSE profitieren konnten, ist der Schulleitung wie auch dem Projektteam – zuvorderst Silvia Pfeiffer-Kuebart und Dr. Frank-Oliver Klute – zu verdanken. „Ich komme für einen solchen Projekttag immer gerne an das HANSE-Berufskolleg. Sagt mir Zeit und Ort und ich bin da, keine Frage!“, sicherte Klute dem organisierenden Team im Vorhinein zu. Mit eindrücklichen Materialien und einer tollen Diskussionsführung ermöglichte er auch den zeitlich stark eingebundenen Schülerinnen und Schülern der Teilzeitklassen, ein Zeichen gegen Rassismus an diesem so wichtigen Tag für die Menschen am HANSE-Berufskolleg setzen zu können.