„Den jeweils anderen akzeptieren“

Unter dem Thema „Flucht…Ankunft…Zukunft? – Integration von Flüchtlingen – Herausforderungen meistern, Chancen nutzen“ veranstaltete das HANSE-Berufskolleg in Zusammenarbeit mit dem Minister für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien und dem Europe Direct Informationszentrum des Kreises Lippe (EDI) seine diesjährigen Europatage.

Die Europaklassen der Höheren Handelsschule und des Wirtschaftsgymnasiums sowie die am Kolleg vertretenen internationalen Förderklassen für Migranten mit Flüchtlingserfahrung arbeiteten an Zukunftsperspektiven für die nahe und die fernere Zukunft, indem sie neue Chancen für Lippe, die sich durch die Zuwanderung ergeben, beleuchteten. Auch der Islam in Lippe war Gegenstand zweier Workshops, in deren Rahmen Schüler einige Tage zuvor die Moschee in Lemgo besucht hatten.

„Wir wollen mit diesen Aktionstagen eine Brücke zwischen der kulturellen Vielfalt, die durch die Zuwanderung in Deutschland entsteht, und den regionalen Herausforderungen durch die Integration der Flüchtlinge vor Ort schlagen“, so Schulleiterin Susanne Tietje-Groß. Dafür sei ein Mix aus Expertenvorträgen, Workshops und Präsentationen angeboten worden. 

Landrat Dr. Axel Lehmann folgte den Präsentationen aufmerksam und stand in der Folge auch für Fragen aus der Schülerschaft zur Verfügung. Dabei verdeutlichte er, dass nach der Versorgung mit den Lebensgrundlagen nun im zweiten Schritt die Integration der Flüchtlinge für den Kreis Lippe im Vordergrund stehe. Hierbei bedürfe es neben der Integration durch Sprach- und Bildungsangeboten auch der gesellschaftlichen Integration. 

Generell stellte Dr. Lehmann fest, „Deutschland muss endlich anerkennen, ein Einwanderungsland zu sein“, um notwendige Steuerungsinstrumente für eine gelungene Integration nutzen zu können. Wichtig sei es aber auch, den „jeweils anderen in seinem Anderssein zu akzeptieren“, dies beuge der Radikalisierung auf allen Seiten vor.

„Das Ziel der Veranstaltung war es, Verständnis gegenüber hilfesuchenden Menschen zu fördern, ihnen mit Respekt und Achtung gegenüber zu treten und sie als einen Teil unserer Gesellschaft zu sehen, vorhandene Herausforderungen anzunehmen und diese in Chancen zu verwandeln“, so Tietje-Groß. Das von allen Beteiligte eingeholte Feedback am Ende der Europatage habe bestätigt, dass dieses Ziel erreicht worden sei.

Unterstützt wurde das Team des HBK und des EDI von auswärtigen Experten, welche die aktuelle Situation der europäischen Migrationspolitik in ihren unterschiedlichen Facetten darstellten. Hierbei wurde insbesondere die Sicht der Kommunen, der Europäischen Kommission sowie muslimischer Institutionen abgebildet. Zudem zeigte Joachim Peters von der Kreispolizei Lippe auf, wie mit Meldungen, Falschmeldungen und Likes im Internet „Meinung gemacht“ wird. Es sei wichtig, so Peters, sich zu informieren, denn „Unsicherheit sorgt für Angst“. Aber die besten Informationsquellen seien die Menschen selbst, „wahre Erkenntnisse erlangt man durch Gespräche mit Menschen.“

Eines der Highlights der Veranstaltung war die Übergabe der 23 Europässe, welche den teilnehmenden Schülern die erfolgreiche Durchführung eines dreiwöchigen Auslandspraktikums in England bzw. Frankreich in diesem Frühjahr bescheinigt und somit den Willen der 

Schüler betont, ihren ganz persönlichen Beitrag für den Zusammenhalt Europas zu leisten.